Filter in der Landschaftsfotografie

Seitdem ich Landschaften fotografiere, arbeite ich auch mit sogenannten ND-Filtern (Neutral Density oder auch Graufiltern), Verlaufsfiltern und Polfiltern.

Es gibt verschiedene Arten von Filtern: Schraubfilter, die rund sind und man direkt auf das Objektiv schraubt, oder Steckfilter, die eckig sind und in einen Filterhalter gesteckt werden. Man kann diese Filter natürlich auch miteinander kombinieren.

Was sagen die Bezeichnungen aus?

Auf den Filtern siehst du oft eine der folgenden Bezeichnungen (oder vielleicht auch alle):

  • ND0.9 oder
  • ND8 oder
  • 3 Blenden

Im Endeffekt sagen alle 3 Bezeichnungen das gleiche aus. Der Filter dunkelt das Foto um 3 Blendendstufen ab, bzw. kann man die Verschlusszeit um 3 Blendendstufen verlängern.

ND 0.9 = 3 Blendendstufen oder ND 1.2 = 4 Blendendstufen… Wie du siehst sind 1 Blendendstufe immer 0.3

ND8 wird über eine 2er Potenz berechnet. 2 hoch 3 = 8. Bei 4 Blendendstufen sind es 2 hoch 4 = 16. 6 Blendendstufen werden zum Beispiel mit ND64 angegeben.

Graufilter

Graufilter dunkeln dein Foto ab. Warum grau? Weil es eine neutrale Farbe ist, also kein Farbstich verursacht – in der Theorie zumindest. In der Praxis stellt sich aber heraus, dass die meisten Graufilter doch eine kleine Farbverschiebung hervorrufen. Meistens ist das ein leichter Blau- oder Grünstich. Dieser fällt von Marke zu Marke unterschiedlich doll aus. Diesen kann man später allerdings in der Bildbearbeitung wieder entfernen. Wozu aber nun ein Foto überhaupt abdunkeln? Damit erreiche ich eine längere Verschlusszeit, um gewisse tolle Bildeffekte zu zaubern. Zum Beispiel ist es möglich, die Textur aus Wasser herauszunehmen. Wenn du also einen möglichst minimalistischen Bildlook haben willst, kannst du mit einem Graufilter das Wasser „Glattziehen“ und es so wie Eis aussehen lassen.

Bei Wasserfällen erreiche zum Beispiel gerne eine Verschlusszeit von einer halben Sekunde. Das ist für mich genau die richtige Zeit, damit das Wasser glatt, aber trotzdem noch genug Textur hat, um es zu erkennen. Bei taghellem Licht wird es allerdings schwer, eine halbe Sekunde Belichtungszeit einzustellen, selbst wenn wir die Blende komplett schließen und den ISO Wert ganz nach unten stellen. Und dann kommen die eben genannten Graufilter ins Spiel, die das Foto noch weiter abdunkeln. Je nach Filterstärke kann man dann auf das sehr weite Schließen der Blende verzichten, um keine Beugungsunschärfe zu produzieren.

Ohne ND FilterMit ND Filter
Ohne GND FilterMit GND Filter

Verlaufsfilter

Verlaufsfilter arbeiten ähnlich wie Graufilter, allerdings haben sie, wie der Name schon sagt, einen Verlauf. Damit kann man zum Beispiel den Himmel, welcher normalerweise heller als der Vordergrund ist, einzeln abdunkeln und damit das Foto ausgewogen belichten. Der Übergang kann entweder ganz soft oder auch sehr hart sein. Je nachdem, in welcher Umgebung du fotografierst, ist die eine oder andere Variante sinnvoller. Zum Beispiel am Meer, wo du einen geraden Horizont hast, ist ein harter Verlauf deutlich besser.

Außerdem gibt es auch sogenannte Reverse Filter, wo der Filter umgedreht ist. Das macht besonders bei Sonnenaufgang- oder Untergängen Sinn, wenn die Sonne direkt über dem Horizont liegt und dort den hellsten Punkt im Foto bildet.

Polfilter

Der Polfilter sollte in keiner Fotoausrüstung eines Landschaftsfotografen fehlen. Diese Filterart hilft dabei, das Blau des Himmels zu betonen und Reflexionen auf spiegelnden Oberflächen, wie Wasser oder Glas, zu minimieren. In der Regel wird so die einfallende Lichtmenge ebenfalls geringfügig reduziert, was bei wenig Licht und Aufnahmen aus der Hand zu unscharfen Fotos durch lange Verschlusszeiten führen kann.

Polfilter bestehen aus zwei Glaselementen, wobei das vordere frei gedreht werden kann, um die Stärke der Polarisation zu regeln. Achte immer darauf, den Filter beim Einstellen nicht vom Objektiv zu lösen. Der Effekt ist am ausgeprägtesten, wenn du im 90-Grad-Winkel zur Sonne fotografierst. Aufnahmen von Landschaften oder Städten wirken dadurch oft besser. Allerdings solltest du beim Einsatz an Weitwinkelobjektiven vorsichtig sein, da die Polarisation richtungsabhängig ist. Dies kann dazu führen, dass bei großen Bildwinkeln ein Teil des Himmels dunkler abgebildet wird als der andere.

Ohne PolfilterMit Polfilter

Filter vs. Bildbearbeitung

Ich höre auch immer wieder Stimmen, die sagen, dass man die Effekte der Filter auch sehr einfach in der Bildbearbeitung nachahmen kann. Das stimmt nicht ganz so. Am ehesten ist der Effekt aber noch von einem Verlaufsfilter zu reproduzieren. Mit mehreren Belichtungen, die man später übereinanderlegt, könnte man den Verlauf von dunkel zuhält im Himmel einfach nachahmen. Noch einfacher ist es im Raw Konverter, falls es keine ausgebrannten Stellen im Foto gibt.

Effekte, die zum Beispiel der Polfilter erzeugt (Reduzierung von Reflexionen) können aber zum Beispiel nicht in Photoshop nachgemacht werden. Oder auch eine extreme Langzeitbelichtung wird schwer. Dort gibt es zwar Möglichkeiten, ein ähnliches Ergebnis über Bildberechnungsmethoden zu erzielen, aber das Ergebnis kommt nicht an das Original heran.

Letztlich muss jeder für sich selber entscheiden, ob er Filter nutzt oder nicht. Natürlich ist es ein Kosten- und Gewichtsfaktor, der dagegen spricht. Dafür spricht die Qualität der Fotos und die wenige Zeit, die man in der Bildbearbeitung verbringen muss.

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Viel Spaß beim Fotografieren!